I love Greece and Greece loves me

videoinstallation, Greece, 2016, 5 channel HD, 16:9, with sound, loop

  • Ist die griechische Tragödie übertragbar?
    Wie entledigt man sich einer schuldlosen Schuld? 
    Ersetzt Standard & Poor's das Orakel von Delphi?
    Was kommt nach dem Niedergang?
    Wo bleibt die katharsische Wirkung?


    Die Videoinstallation "I love Greece and Greece loves me" setzt sich mit der Auswirkung der Krise auf die Gesellschaft in Griechenland auseinander. Die einzelnen Szenen bedienen sich allgemein bekannter Bilder aus der griechischen Antike und der Mythologie, mit der sich das gegenwärtige Griechenland immer noch identifiziert. Anhand dieser Bilder wird der Versuch unternommen, das „Tragische" der Krise aufzuzeigen. Die Arbeit hält sich formal an den klassischen Aufbau der griechischen Tragödie, verzichtet aber bewusst auf das gesprochene Wort. 

    In fünf Akten wird der Versuch unternommen das Scheitern des Helden und der Gesellschaft darzustellen. Unterbrochen werden die Akte von goldenen Rettungs-Decken, die als Fahnen hochgehalten werden. Sie symbolisieren den Chor, dessen Aufgabe es ist das Geschehen der Tragödie zu kommentieren. Die goldenen Fahnen sind ein ambivalentes Symbol für die gegenwärtige Lage und verweisen auf den Mythos des "Goldenen Zeitalters".

    Der erste Akt führt den klassischen Helden ein, einen jungen Mann auf einem Pferd. Er verkörpert den archaischen Menschen in seiner primitiven, ländlichen Umgebung. Das Schicksal drängt den Protagonisten in eine unausweichliche Situation. Sein augenscheinlich heldenhafter Auftritt wird durch die Länge der Szene fraglich und zeigt seine Handlungsunfähigkeit auf. Im zweiten Akt werden dem Diskuswerfer von einer "göttlichen Hand" (Deus ex machina) goldene Steine zum Wurf gereicht. Durch die Wiederholung seiner Handlung gleicht er dabei eher Sisyphos, der immerfort seinen Stein rollt, als einem gestählten Athleten der Olympischen Spiele. Die Szene verdeutlicht die fremdbestimmte Ausweglosigkeit seiner Situation. Den Höhepunkt im dritten Akt stellt eine bekannte Ringkampfszene der antiken Olympischen Spiele dar. Die Szene findet vor der griechischen Zentralbank in Athen statt. Die Ringenden werden dabei zu Platzhaltern für den auf internationaler Ebene ausgetragenen Konflikt. Das retardierende Moment des vierten Aktes verweist auf den Mythos von Ikarus und Dädalus. Es zögert die Katastrophe hinaus und zeigt vermeintlich zwei Möglichkeiten des weiteren Handlungsverlaufs: Das unausweichliche Scheitern oder die trügerische Rettung des Helden. Das goldene Münzpferd im fünften Akt bildet das Schlussbild. Es bewegt sich im Rhythmus zur Musik und ist Sinnbild der kapitalistischen Vergnügungsgesellschaft. Durch den wiederholten Münzeinwurf läuft die Maschine ewig weiter. Die Tragöde findet kein Ende. 

  • Is the Greek tragedy applicable?
    How can one avenge a guiltless guilt?
    Is Standard & Poor's the new Oracle of Delphi?
    What happens in the case of a prolonged disaster?
    Where are the remanents of the catharsis?

     

    The video installation "I love Greece and Greece loves me" deals with the effects of the crisis on the Greek society. Every scene is associated with a well known image from ancient Greece and with the myth, with which present day Greece still identifies itself. These images attempt to show the tragedy of the crisis. The work holds itself formally to the classic construction of a Greek tragedy, but consciously without the spoken word. 

    In five acts the downfall of the hero and the society are suggested. These acts are interrupted by golden safety blankets that are held high as flags. They symbolize the choir whose function is to comment on the occurrences of the tragedy. The golden flags are a symbol of ambivalence of the current situation and allude to the myth of the Golden Age. 

    The first act introduces the classical hero, a young man on a horse. He embodies the archaic man in his primitive, rural surroundings. His fate pushes the protagonist into a corner. After a seemingly heroic entrance, the length of the scene puts into question his role and shows his inability to act. In the second act the discus thrower receives golden stones from the "hand of God" (Deus ex machina) to throw. Here he more closely resembles Sisyphus with his boulder than a steel-hardened athlete of the Olympic Games. The scene points out the predestined hopelessness of his situation. In the third act, the climax is reached with a depiction of a famous wrestling scene of the ancient Olympic Games. The scene takes place in front of the Greek Central Bank in Athens. Here the wrestlers are placeholders for the internationally decided conflict. The falling point in the fourth act alludes to the myth of Icarus and Daedalus. This proceeds the catastrophe and reveals two would-be possibilities of the proceedings: the unavoidable failure or the false sense of security of the hero. The golden kiddie horse is the final image in the fifth act. It sways to the rhythm of the music and is an allegory for the hedonistic society of capitalism.The machine runs endlessly fueled by money. Thus the tragedy never comes to an end. 

filmstills

7'01'' - filmstill
7'25'' - filmstill
8'39'' - filmstill
10'46'' - filmstill

exhibition

exhibition view, Bremen, 2016
exhibition view, d37, Studio sound of snow, Berlin, 2016